Dienstag, 1. März 2016

Ein Kompliment an Fußball

Ich liebe Fußball. Sehr sogar.
Als ich sechs oder sieben war, habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf kam, aber ich fing einfach an.
Zuerst in einer Jungenmannschaft, und nach kurzem dann in einer Mädchenmannschaft.
Zwar nicht mehr im selben Verein wie früher, spiele ich heute trotzdem immer noch Fußball.
Ich bin nicht so gut, wie die Jungen, gegen die man in der Schule immer spielen muss. Ich bin kein Abstauber, der ein Tor nach dem anderen macht. Ich habe auch nie darauf gepocht, professionell Fußball zu spielen.
Aber ich bin mit ganzem Herzen bei der Sache.

Wenn ein Spiel ansteht, freue ich mich tagelang darauf und erzähle es jedem, der mich etwas besser kennt. Ich glaube, das kann schon nervig werden, vor allem für Leute, die Fußball nichts abgewinnen können. Obwohl ich das auch vollkommen in Ordnung finde, eigentlich ist Fußball ja auch eine seltsame Sportart. Einen Ball ins Tor bringen, ohne ihn mit den Händen zu berühren? Klingt eher einfallslos. Aber wenn man länger darüber nachdenkt, dann ist jede Sportart seltsam und öde.

Was ich an Fußball so liebe, ist das Gefühl, einen Ball zu schießen, das Geräusch, das dabei entsteht und das Geräusch, wenn man mit Stollenschuhen über Asphalt läuft, liebe ich besonders. Fußballschuhe könnte ich sowieso den ganzen Tag tragen und die ganze Nacht. Ich liebe es, zu laufen mit dem Ball am Fuß, ich liebe die weißen Linien auf dem grünen Feld, Fußball spielen im Scheinwerferlicht bei Dauerregen.
 Ich liebe das Gefühl, wenn man ein Tor verhindert oder wenn man eines schießt. Es ist einfach verrückt, was man mit dem Ball alles anstellen kann, wie man Gegner austricksen kann. Die Atmosphäre vorher in der Kabine, wo ich einfach nur daran denken kann, dass es gleich endlich so weit ist und endlich die ganze Ewigkeit vorbei ist, die ganzen Stunden, welche ich mir vorher ausgerechnet habe. Ich liebe es, wenn die ganze Mannschaft die gleichen Trikots trägt und man plötzlich ein Team ist.
Ich liebe es, vor dem Spiel einzulaufen und wenn sich die zwei Teams gegenüber stehen und man einfach sieht, wer auch fußballbegeistert ist. Ich liebe das, wenn der Schiedsichter fragt "Welche Farbe?", wenn man mal die Ehre hat, Kapitän zu sein und wie ich einfach weiß, dass ich Schwarz sagen werde und nicht Rot. Ich liebe es mich für den Kreis runterzubeugen, um den Teamspruch zu brüllen, so laut, wie man niemals sonst in seinem Leben brüllt. Die Heiserkeit danach und das Lachen, weil alle euphorisch sind.

 Ich liebe diese Aufregung, das Adrenalin, das alle Körperzellen fast zum Platzen bringt, kurz vor dem Anpfiff. Überhaupt ist das einer der besten Momente; man wartet angespannt, nervös und läuft vor lauter Vorfreude fast über, man hüpft in die Höhe, andere vielleicht, um kurz noch mal die Muskeln in Form zu bringen, ich selbst einfach, um mit meiner Energie irgendwohin zu können. Und der Anpfiff, wo ich am liebsten sofort nach vorne rennen würde und rufen "Hier, spielt mich an, ich habe so lange hierauf gewartet!"

Ich liebe Fußball so sehr, dass ich am liebsten auf jeder Position gleichzeitig spielen würde. Im Tor, im Sturm, als Abwehr, vollkommen egal, Hauptsache da ist ein Ball.
Früher war ich eine Zeit lang wirklich in Tor, dann im Sturm, aber mittlerweile habe ich eine Position gefunden, die mir gut gefällt, vielleicht auch minimal besser als andere: Mitte, Abwehr.
Ganz hinten also, der Libero sozusagen. Der letzte Mann vorm Torwart. So wie im Leben habe ich auch gerne in Fußballspielen den Überblick. Ich kann der letzte sein, der es gerade noch mal rettet, ich kann Ruhe ins Spiel bringen, ich bin immer die letzte Person hinten, wenn ich nach vorne laufe, ziehen die anderen nach, zumindest im Idealfall. Aber es ist nicht eine Machtposition, wie man jetzt vielleicht denkt. Man ist vielleicht soetwas wie der Abwehrchef.
Aber ich bin einfach Teil eines Ganzen. Ich liebe es, zu gewinnen, aber ich habe auch kaum Probleme damit zu verlieren. Ja, wirklich. Ich kann niemandem erklären, in welcher Liga wir spielen oder ob es um einen Pokal geht. Meistens weiß ich nicht einmal, wie der Gegner heißt. Ich spiele einfach Fußball.
Und obwohl ich weiß, dass ich damit im Leben nichts anfangen kann, kein Geld verdienen, mich nicht sonderlich für einen Beruf qualifizieren, spiele ich Fußball für mein Leben gern. Weil Fußball mein superallertollbestigstes Hobby ist. Meine Leidenschaft, irgendwie, neben anderen auf jeden Fall eine, die zu den ältesten gehört.
Vielleicht konnte ich euch mit meiner kindlichen Begeisterung anstecken - ich könnte ewig so weiterschreiben - und ihr habt auch Lust, ein altes Hobby wieder aufleben zu lassen. Mich würde es freuen!